Catapults

Die Pop- und Skatepunk Band aus Oldenburg veröffentlicht mit “I´ll be honest” ihr Debütalbum und sorgt damit jetzt schon für großes Interesse. Ich habe mich mit Sänger Joost im Facebook-Chat verabredet und über das Album und über DIY gequatscht. Viel Spaß beim lesen. 

 

Text: Alex

„I‘ll be honest“ kommt am 19.03. Erzähl doch mal eim bisschen über das Album. Wie ist das Album entstanden, wo habt ihr das aufgenommen etc.?

I’ll Be Honest ist ein bisschen ein Produkt der widrigsten Umstände und größten Glücksfälle, die uns hätten passieren können. Nachdem wir unsere zweite EP Greyscale Anfang 2019 rausgebracht hatten, wussten wir eigentlich sofort, dass als nächstes ein Album kommen sollte. Also haben wir begonnen sämtliches Songwriting in der ersten Hälfte des Jahres auf das Album zu konzentrieren. Blöd dabei war nur, dass ich von Januar bis Juni im Auslandssemester war und quasi nicht aktiv daran teilhaben konnte. Die anderen haben dann angefangen Instrumentals zu schreiben und wir haben in Videoanrufen darüber gequatscht, wo das Album hingehen soll, wie wir stilistisch und lyrisch da rangehen sollten, der ganze planerische Quatsch quasi. Gedanken von einem Konzeptalbum waren auch da, aber das haben wir dann doch fix verworfen, weil wir lieber einfach Banger schreiben wollen als uns von irgendeinem willkürlichen Konstrukt einschränken zu lassen. 

Als ich dann aus England zurück war, ging’s erst richtig rund und im nächsten halben Jahr haben wir alles verfeinert, alle Texte geschrieben und der Prozess dauerte quasi bis zwei Tage vor Aufnahmebeginn.

Wir sind dann alle zusammen zu unseren Freunden und Kollegen Sören und Tom von Limetree Studios in Ilsede getingelt, haben uns da mit unserem Produzenten Paul Zimmermann für zwei Wochen eingeigelt und jeden Tag teilweise 14 Stunden lang gebastelt und aufgenommen. War eine nervenaufreibende Zeit weil der erste Lockdown mitten in die Aufnahmen fiel, aber wir haben alle äußeren sozialen Kontakte abgebrochen, sodass wir nicht Gefahr liefen, wegen irgendwelcher Infektionen abbrechen zu müssen.

Knapp ein Jahr später haben wir jetzt alles fertig, 10 Tracks auf etwas mehr als ner halben Stunde, knallhart Emo-Punk mit n büschen Skate drinne und wir sind wirklich, wirklich zufrieden und stolz auf das Ergebnis!

 

Wovon handeln eure Texte, zieht sich eine feste Thematik durch „I’ll be honest“? Oder steht eher die Musik im Vordergrund?

Also wir hatten mal geplant, eine große, übergreifende Geschichte durch alle Songs ziehen zu lassen. War für uns dann aber letzten Endes irgendwie nicht das Wahre, also haben wir erst Instrumentals geschrieben, die sich für uns gut anfühlten. Malte (Drummer) und ich haben die dann allmählich mit textlichem Leben gefüllt. Dabei wollten wir hauptsächlich unsere aktuelle Gefühlsrealität wiedergeben, ein bisschen die Dinge aufarbeiten, die uns in den letzten Jahren auf dem Herzen lagen. Da geht’s teilweise um die Unsicherheit, die einen am Ende eines Lebensabschnitts begleitet, es geht umm das Überwinden von negativen Dingen, die einen die Freude an gewissen Lebenslagen nehmen könnten, es geht um familiäre Verluste. Wir wollten möglichst emotional ehrlich sein, daher auch der Albumtitel, und wir hoffen, dass unsere Zuhörer daraus ein bisschen was für sich mitnehmen können. Wir können natürlich keine allgemeingültigen Aussagen oder Hilfen bieten, aber allein, wenn sich jemand zu unserer Musik ein bisschen Frust rausbrüllen kann, oder sich ein bisschen verstanden fühlt, haben wir damit mehr als genug für uns erreicht.

“Auch sonst versuchen wir, wo möglich, ein bisschen Wiederverwertung und Upcycling selbst in die Hand zu nehmen. “

Ok cool! Kommen wir jetzt mal zu den Videos! Eure Videos zeigen einen deutlichen Hang zum DIY. Nicht nur, dass du eine Gitarre baust bei „IYDMND“, sondern auch das Freunde Video zu „Everything…“ beispielsweise! Ihr scheint da großen  Wert drauf zu legen? Ihr habt ja auch Bastelanleitungen in euren Reels.

Ja absolut! Viel davon ist auf Lars’ (Bass) Mist gewachsen, der macht seit einiger Zeit Dekoartikel und gleiche Accessoires aus alten Skateboards, woher auch die Idee für unsere Skate-Gitarre kam. Malte hat dann den Anstoß dazu gegeben, das mit seinem Bruder in einer Tischlerei in Hamburg zu machen und das letztendliche Instrument ist besser geworden, als wir mit unserem Halbwissen hätten erhoffen können!

Auch sonst versuchen wir, wo möglich, ein bisschen Wiederverwertung und Upcycling selbst in die Hand zu nehmen. Die CDs unserer ersten beiden EPs haben wir selbst bedruckt und in Pappverpackungen verkauft und das Pre Order-Merch für IBH werden wir auch nur begrenzt herstellen und mit einem Bekannten zusammen siebdrucken. Musiker sein bedeutet leider einiges an Abfall, seien es Verpackungen für Equipment oder Verschleißteile wie Saiten o.Ä. Da fühlt es sich ganz gut an, zumindest ein paar Dinge mit verfügbarem Material selbst in die Hand zu nehmen, selbst wenn es nur was Kleines ist.

 

Ah geil! Also ist deine Gitarre in den Videos wirklich selbstgebaut? Kam so auch die Videoidee?

Zumindest der Korpus, jepp. Lars hat in der Skateszene eine Menge Kontakte und wir haben an allen möglichen Stellen alte und ausrangierte Skateboard-Decks zusammengeklaubt. die haben wir dann mit Maltes Bruder zurechtgeschnitten, geleimt und dann den Korpus aus diesem komischen bunten Block rausgeschnitten. Dann haben wir noch ne alte Telecaster von Malte für den Hals und die Mechaniken ausgeschlachtet und haben das ganze mit Lorenz von Johnny Karate (Liebe Grüße!) zusammengebastelt. Die Idee für’s Video war tatsächlich, dass wir den Bau dieser Gitarre ein bisschen dramatisiert und überspitzt darstellen wollten.

 

Mega Idee. Eure gesamte „Promophase“ zu den Singles und dem Album sieht sehr professionell und gut durchgeplant aus! Habt ihr euch nen Masterplan zurechtgelegt oder macht ihr das spontan?

In der ganzen Promotion für das Album hatten wir das Glück, dass Mirko Gläser von Uncle M uns unter seine Fittiche genommen hat. Wenn man sonst keine Ahnung von Marketing hat und dann jemand von einem Label dazustößt, merkt man meistens erst, wie viel man falsch gemacht hat. Mirko hat uns da immer wieder ein wenig in den Arsch getreten, dass wir uns vernünftig Gedanken darüber machen, wie wir den Release von einem Song so erfolgreich und effektiv wie möglich gestalten können. Das klingt wieder ganz furchtbar kommerziell, aber in Zeiten von sozialen Medien gehört das einfach zum Alltag. Wir haben aber keine übergreifende Christopher Nolan-eske Narrative in der Promo, wir überlegen uns für jeden Song ein kleines Leitmotiv und versuchen, das mit größeren und kleineren Aktionen umzusetzen. Dass das alles auch noch gut aussieht, haben wir unter anderem auch unserem langjährigen Kumpel Frederik Köster zu verdanken, der nicht nur das Cover fotografiert, sondern auch einige der Promo-Materialien gestaltet hat. Für’s Album haben wir auch noch ein paar Sachen geplant, die sehr witzig und sehr dumm sein werden, ich hoffe das wird ankommen.

“Knallhart Emo-Punk mit n büschen Skate drinne”

Ist Uncle M auf euch zugekommen oder habt ihr aufgrund des Albums Kontakt aufgenommen?

Wir haben so ein bisschen Ping Pong miteinander gespielt. Als wir noch mit unseren EPs unterwegs waren, hat Mirko uns angeboten uns in seinen Oh Lumiere-Verlag aufzunehmen, damit war der erste Kontakt schon mal geschafft. Dann haben wir ihm von unseren Albumplänen erzählt und das wir uns von Initiative Musik fördern lassen wollten und er hat uns angeboten, uns dabei unter die Arme zu greifen. Nach und nach sind wir dann weiter füreinander aufgewärmt und haben angefangen, gemeinsam weiter am Album zu planen und so hat sich das dann irgendwann ganz organisch ergeben.

 

Nice! Du hast ja schon erwähnt, dass Malte und Du getextet haben und  der Lars gerne tüftelt. Habt ihr für die Band oder jetzt für das Album die Rollen iwie aufgeteilt, sodass jeder was zu tun hat?

Ja, mussten wir gezwungenermaßen tun, weil Maurice (Gitarre) und ich seit letztem Jahr in Vollzeit arbeiten und einiges bei uns untergehen würde. Deshalb macht Malte vor allem Finanzielles, Organisatorisches und E-Mail-Kontakte, Lars wuppt völlig im Alleingang praktisch sämtliche Social Media-Präsenzen und sorgt dafür, dass unsere Songs auf Streamingplattformen gehört werden, während Maurice Merch und Gitarrenspaß für kleinere Aktionen macht und ich hauptsächlich die größeren Textereien und Ansagen für Interviews und Videos wie jetzt gerade mache. So sind alle aktiv eingebunden während jeder so viel macht, dass es in seine Kapazitäten passt

 

Ist doch super, wenn man sich auf die Anderen Mitglieder verlassen kann habt ihr schon Pläne nach dem Album? Abgesehen von wahrscheinlich Konzerte spielen?

HOFFENTLICH Konzerte spielen! Erstmal wird das gesamte erste halbe Jahr wahrscheinlich noch unterm Stern vom Album stehen, damit wir möglichst viele Leute erreichen. Malte, der Wahnsinnige, hat aber schon neue Songs geschrieben, mal sehen wie wir die verwursten. Wir waren schon am Überlegen, ob wir noch eine kleine EP machen, bevor wir uns wieder in irgendein Mammutprojekt stürzen. Aber sobald möglich wollen wir wirklich einfach nur raus und live spielen, da sind wir zuhause und uns fehlt es wirklich, Menschen bei Auftritten zu sehen, mit ihnen zu schwitzen, Bier zu trinken und zu quatschen

 

Das ist doch nen schönes Schlusswort! Danke für die Zeit!

Gerne, war mir ne Freude!

Video zur Single "Thanks, I hate it"

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Bandfoto: Connor McBriarty