Fridays For Future Paderborn

Durch die Corona-Pandemie ist die Klimakrise in den Hintergrund gerückt. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sie weiter ignorieren kann. Wir stehen weiter vor einer der größten Herausforderung der Menschheit. Ich habe mit Laura von FFF Paderborn über die Arbeit in Paderborn und über den globalen Klimastreik am 19.03.2021 gesprochen. 

Text: Alex

Keine Stadt für Niemand beschäftigt sich eigentlich mit der Punk- und Hardcoreszene in Paderborn und in der Umgebung. Warum fangen die jetzt also an sich in die Klimafrage einzumischen. Naja, für mich gehört zu unserer Subkultur eine gewisse Pflicht sich politisch zu engagieren und zu äußern und weil wir keine Experten auf dem Gebiet sind, laden wir uns Leute ein, die es besser wissen. Gerade die Klimakrise ist 2019 noch in aller Munde gewesen und durch die Pandemie in den Hintergrund gerückt. Aber was bleibt uns anderes übrig, die Krise ist noch da und wir rasen immer weiter Richtung Klimakollaps. Diese Krise betrifft jeden von uns und Corona war nur ein Vorbote dafür, was zukünftig noch passieren wird. Wir müssen das Ruder also rumreißen und das können wir nur mit möglichst intensiver Unterstützung derjenigen, die der Politik auf die Füße treten. Ich habe Laura also einige Fragen geschickt, die uns unter den Nägeln brannten und wir gerne veröffentlichen wollten. Laura ist aktives Mitglied bei FFF Paderborn, 18 Jahre alt und kommt eigentlich aus Thüringen. Sie hat nicht nur im privaten angefangen auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten, sondern engagiert sich aktiv und mit voller Freude an der Bewegung.

 

Moin Laura! Die Corona-Pandemie hat andere wichtigen Themen das letzte Jahr ganz schön in den Schatten gestellt. Wie ist die Situation momentan bei euch? Wie viele aktive Mitglieder gibt es, habt ihr euch trotzdem gut aufstellen können?

Die Klimakrise wurde auch vor der Pandemie sehr oft in den Hintergrund gerückt und nur bedingt wahrgenommen. Jetzt dreht sich im Moment alles um Corona und bis zu einem bestimmten Grad ist das auch richtig und wichtig, denn Forschungen müssen vorangetrieben werden, je mehr wir erfahren, umso bessere Maßnahmen können angewendet werden. Jedoch lässt sich das genauso gut auf die Klimakrise anwenden. Wir vermissen ein bisschen, dass zu Anfang der Pandemie Wissenschaftler*innen ernst genommen wurden, dies jedoch bei der Klimakrise nicht der Fall war. Aber wie wir jetzt auch sehen, Lockerungen finden trotz Einwende der Wissenschaft statt und das ist natürlich sehr frustrierend. Wir sind knapp 10 aktive Mitglieder des Organisationsteam von FFF PB und versuchen im Moment sehr viel, damit die Klimakrise nicht in Vergessenheit gerät. Mit Rückblicken über die bisher eher sperlich ausgefallene Klimapolitik bis hin zur Darstellung von Wünschen für die Zukunft und generelle Updates über die Situation in und um Paderborn herum versuchen wir zu informieren und alle auf dem Laufendem zu halten. Mit dem globalen Klimastreik am 19.03. versuchen wir außerdem zu zeigen: Wir sind noch hier und wir geben definitiv nicht auf!

Wie kann man sich die Arbeit bei euch allgemein vorstellen? Wie bereitet man einen globalen Klimastreik online vor?

Allgemein werden wöchentlich Treffen veranstaltet, im Moment digital über Zoom. Dort werden dann die aktuellen Themen und Aktionen besprochen und in die Wege geleitet. Das ist so der ganz allgemeine Ablauf, die einzelnen Aufgaben wie zum Beispiel: mit der Presse Kontakt aufnehmen, auf Social Media verbreiten, Redebeiträge organisieren und so weiter und so fort wird dann auf Einzelpersonen verteilt. Beim globalen Klimastreik ist dies ähnlich: wir wussten, dass er stattfindet, also war das unsere erste Priorität. Die Pressemitteilung steht für alle Zeitungsleser*innen zur freien Verfügung, unser Vorhaben wurde auf Social Media gepostet und der Link für das Zoom-Meeting wurde freigegeben. Wir haben uns im diesen Jahr auch entschieden, es lieber digital laufen zu lassen, damit wir die Infektionsgefahr bei einer Menschenmasse verringern können. Man muss dazu natürlich aber auch sagen, je länger man in unserem Organisationsteam drin ist, umso schneller entwickeln sich bestimmte Automatismen und damit wird es leichter, alles zu koordinieren, weil jeder seine speziellen Fähigkeiten mit ins Team bringt und damit die Planung schnell und einfach voran gehen kann.

Wir verstärken uns mit Keine Stadt für Niemand auf die Muiskszene in Paderborn. Wie ist aus der Szene bisher die Resonanz zum Thema Klimakrise? Bekommt ihr Untersützung oder könnte es mehr sein?

Hierzu muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich von noch keiner Paderborner Band oder Musiker*in ein Lied oder Komposition gehört habe, die viral durch Paderborn ging und deswegen dem Thema Aufmerksamkeit geschenkt hat. Es ist eben auch nicht primär die Aufgabe der Musiker*innen und Bands, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, jedoch wäre es ab und an schön zu erfahren, dass andere Menschen sich solidarisch zeigen und wir uns damit auch bewusst sind, dass wir als zentrale Umweltorganisation in Paderborn Verstärkung von allen Richtungen haben.

“Wir sind noch hier und wir geben definitiv nicht auf!”

Vielleicht habt ihr schon mitbekommen, dass der Asphlatsurfer e.V. eine Petition für eine Skatehalle mit Multifunktionsmöglichkeiten gestartet hat. Wie ist eure Erfahrung mit solchen Petitionen und wie ist die Zusammenarbeit dabei mit der Kommunalpolitk?

Unabhängig von der Anzahl der Unterschriften ist die Regierung nicht verpflichtet, Anforderungen oder Beschwerden zu erfüllen. Es kann jedoch nicht verallgemeinert werden, dass die Petition bedeutungslos ist.

Wir persönlich haben noch keine Erfahrung mit Petitionen gemacht. Als FridaysForFuture sind wir natürlich sehr öffentlich: Artikel in der Tageszeitung oder auch persönliche Treffen mit Kommunalpolitiker*innen. Dabei haben wir oft die Möglichkeit gehabt, im direkten Gespräch Probleme anzugehen und Vorschläge zu präsentieren. Die meisten Gespräche wurden mit dem Herrn Dreier persönlich geführt.

 

Wie sieht die Klimasituation hier in Paderborn aus? Wer ist hier besonders in der Verantwortung klimatechnisch zu handeln und wie sieht die aktuelle Regierung die Klimafrage?

Der Kreis Paderborn strengt sich klimapolitisch an und schneidet dementsprechend im Vergleich zu anderen Städten etwas besser ab. Knapp vor 1.5 Jahren wurde ein Update zum Klimaschutz verfasst . Dabei hat ein Politiker der Grünen einen Antrag gestellt (den Klimanotstand auszurufen wäre von der damaligen Politik (CDU) nicht angenommen wurden). In diesem Antrag steht geschrieben, dass Paderborn das Klimaabkommen von Paris annimmt. Viele weitere Maßnahmen werden umgesetzt, die Stadt Paderborn hat von insgesamt 35 Maßnahmen 26 Maßnahmen vollständig oder teilweise umgesetzt. Dazu gehören folgende Punkte:

• CO2-neutrale Verwaltung, Eigenbetriebe und kreiseigenen Gesellschaften bis spätestens zum Jahr 2030

• Strom- und Wärmeversorgung des Kreisgebietes vollständig aus eigenen erneuerbaren Energiequellen bis spätestens zum Jahr 2050 (bilanziell)

Natürlich sind für solche Maßnahmen die Kommunalpolitiker*innen zuständig. In Paderborn ist die Regierung Schwarz-Grün, was sowohl Vorteil als auch Nachteil bedeuten kann. In früheren Ausschussitzungen wurden Klimaprogrammme für Paderborner Schule besprochen, außerdem noch klimapolitische Bildung angeboten und finanzielle Förderung von städtischen Haushalten festgelegt. Man kann aufjedenfall mehr klimapolitisch machen, aber Paderborn ist auf dem richtigen Weg.

 

Bekommt ihr konkrete Unterstützung von Unternehmen oder Politikern aus der Region?

Konkrete Unterstützung eher nicht. Wir treffen uns oft mit Politiker*innen wie Carsten Linnemann, Burkhard Blienert, etc. Kommulapolitiker*innen stellen uns auch oft Fragen zu bestimmten Themen, wie wir zu diesen stehen und was unsere Meinung darüber ist. Von einigen Paderborner Unternehmen erfahren wir auch Zuspruch, diese möchten wir allerdings anonym halten.

“Man kann aufjedenfall mehr klimapolitisch machen, aber Paderborn ist auf dem richtigen Weg.”

Wie kann man euch weiter unterstützen, bis Demonstrationen wieder erlaubt sind?

Man kann uns dahingehend unterstützen, dass man auf uns aufmerksam macht, unsere Posts teilt und auch Sachen teilt, die unsere unmittelbare Umgebung etwas angeht. Es geht eben genau um das: Aufmerksamkeit schaffen, den Leuten das Thema immer wieder aufzeigen und sie damit zum Handeln zu ermutigen. Wir sind auch immer offen für neue Mitglieder, die Tatendrang und die Zeit haben, sich richtig in solchen Projekten und Aktionen auszuleben. Man kann auch privat viele Sachen umstellen und damit schon gegen die Klimakrise etwas tun und nicht darauf zu warten, dass andere Leute etwas machen, denn wie wir wissen: manchmal kann die Politik echt lahm sein.

Ein Beispiel hierzu, da wir ja auch grade in der Musikszene sind: Man kann hinterfragen, wie Auftritte stattfinden und wie man auftreten möchte. Wieviel Strom verbrauchen wir in dieser Zeit? Lässt sich da etwas einsparen? Brauchen wir wirklich diese Effekte? Aus welchen Material sind

unsere Instrumente und werden diese importiert? Gibt es im Umkreis Alternativen und wenn ja, warum schaut man sich dann da nicht mal um? Oder auch wenn irgendwann einmal wieder live Auftritte stattfinden: wie ist das mit Trinken und Essen? Wird das alles in Einwegbechern und Verpackungen verkauft? Inwiefern kann die Auswahl der Location auch ein Faktor für Klimaschutz sein? Solche Fragen kann man auf jeden Lebensbereich anwenden und dann kann man durch gute Eigeninitiative vieles bewegen.

Danke Laura für das Gespräch!

Übrigens

Wer “Fridays for Future” unterstützen möchte der geht, wenn es wieder möglich ist, zu den Demonstrationen. 
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