Late Generation

Für Late Generation war eigentlich vor genau einem Jahr Schluss, aus, vorbei. Bis dahin waren die vier Paderborner als fleißige Dienstleister in Sachen Hochglanz-Singles eine Metalcore-Institution. Jetzt: Der Rücktritt vom Rücktritt. Wir haben via Facebook-Chat mit Ruschi und Aaron von Late Generation gesprochen. Hat eigentlich ganz gut geklappt, Aaron wurde aufgrund seiner Arbeit bei den Maltesern zum Einsatz gerufen. 

Text: Alex

Also! Erst wolltet ihr aufhören, als Janis aussteigen musste, dann wolltet ihr eine Nachfolgeband gründen, jetzt ist es doch wieder Late Generation und Thiele ist zurück. Wann löst ihr euch denn jetzt doch endlich auf?

Ruschi: 2022 dann wieder. Nee, man muss ja antizyklisch bleiben. 2017 bei unserer Promo zu Scars dachten auch schon alle, wir hören auf, dabei sind wir nur härter geworden. Jetzt dachten wir selbst, dass wir aufhören würden und sind WIEDER härter geworden. Musikalisch natürlich. Menschlich sind wir nach wie vor die gleichen Welpenstreichler.

Aaron: Also. Ich glaube, als wir das Video letztes Jahr gemacht haben, dass eigentlich niemand wirklich aufhören wollte. Schien aber zu dem Zeitpunkt trotzdem der richtige Schritt zu sein. Aber in dem Jahr, in dem wir ja nur auf unsere Abschiedsshow gewartet haben, haben wir einfach gemerkt, dass wir dieses Projekt nicht losl assen können und auch nicht wollen. Als Thiele uns dann noch anschrieb und sagte, dass er wieder in Paderborn wohnt, war es uns klar, dass wir das Ganze wieder starten müssen. Ich glaube, so ganz werden wir nie aufhören können mit Late Generation. Zumal Ruschi und ich schon so ewig in diesem Projekt sind.

 

Da würde ich gerne bei bleiben! Wann sind der Song und auch das Video dazu entstanden? Thiele ist in dem Video ja nicht zu sehen. Und warum kommt es dann jetzt alles?

Ruschi: Der Song ist Ende 2019 noch mit Janis entstanden. Das Instrumental in ähnlicher Form gab es da schon ein paar Monate. Dann haben wir’s irgendwie mal aufgenommen und der gute Ruben Metzinger, der sich immer über instrumentales Geballer in seinem Postkasten freut, hat eine erste Textidee gehabt. Daraus hat sich dann – auch mit der ganzen Postpro – der Song entwickelt. Mit Pitchback-Aljoscha hatte ich zu der Zeit eh schon länger Kontakt durch mein eigenes Studio. Der hat uns dann zusammen mit Jeff Dunne einen abartig fetten Mix/Master gezaubert. Das Video haben wir dann mit Jan geplant. Während dieses Prozesses hat Janis halt festgestellt, dass er das alles nicht mehr in der Form mittragen kann. Wir hatten trotzdem schon den Drehtermin und haben einfach drauflosgedreht. Nur zu dritt, weil wir eben dachten, das können wir dann als Startschuss für ein etwaiges Nachfolgeprojekt nehmen.

Aaron: Das was Ruschi sagt!

Ruschi: Du könntest vielleicht die zweite Hälfte erzählen.

Aaron: Die Leitstelle lässt uns nicht in Ruhe, muss mal kurz wen retten! 

Ruschi: Ach, dann erzähle ich eben zu Ende?

Mach mal! 

Ruschi: Wir haben dann mit nem Kumpel die Idee gehabt, was Neues zu machen, aber das ist dann auch wieder versandet, weil sich da irgendwie nicht so recht ne Dynamik ergeben hat. 

Im August haben wir dann mit unserer geliebten Daueraushilfe Marvin auf nem Junggesellenabschied gespielt – natürlich draußen und mit Abstand. Dabei haben wir gemerkt, wie hart Bock es macht, die Songs zu spielen und wir zu sein. Der Plan war dann erst, LG so als “Miniband” zu behalten, wenigstens unsere Weihnachtsshows zu spielen und gut. 

Und als dann Thiele, wie Aaron schon sagte, plötzlich wieder zurück war – er ist ja damals ausgestiegen, weil er nach Worms (World Party, nicht Armageddon leider) gezogen ist – haben wir halt nicht „Nein“ sagen können. Die Single erscheint jetzt exakt ein Coronajahr nach unserem “Wir hören auf”-Video.

“Die Leitstelle lässt uns nicht in Ruhe, ich muss mal kurz wen retten!”

Also darf man auch wieder auf Liveshows von euch hoffen, wenn es wieder möglich ist?

Ruschi: Das musst du Corinna fragen.

Aaron: Auf jeden Fall. Wir sehnen uns schon danach. Natürlich dann erst, wenn es den Umständen entsprechend möglich ist. Haben noch ein paar neue Songs in der Pipeline, die wir dann auch live zocken wollen.

Ruschi: ABER DAS IST DOCH GEHEIM!

Aaron: Huch! Jetzt nicht mehr! 

 

Exklusiver Content! Würdet ihr euch als politische Band sehen? Mit „Learn from the Past“ habt ihr ja auch schon ein solches Thema aufgegriffen und anscheinend noch öfter.

Ruschi: „Politische Band“ nicht. Aber wir finden sicher jeder auf seine Art Nazis scheiße. Auch wenn außer LFTP und Plaguecycle noch hier und da andere gesellschaftskritische Töne anklingen, haben wir ja auch andere, viel persönlichere Themen. Das würde sich meiner Meinung nach bei einer politischen Band nicht gehören. Ich würde zumindest über mich sagen, dass ich ein ziemlich politischer Mensch bin.

Aaron: Ich würde auch sagen, dass wir keine politische Band sind. Natürlich haben wir Songs, in denen politische Themen angesprochen werden (und das ist auch gut so), aber wir haben auch Songs, die zum Beispiel über alltägliche Struggles handeln, wie zum Beispiel „scars“, family first“ und „whole“. Das sind die Songs und die Themen, die ich mit Late Generation eher in Verbindung setzen würde. Aber wie Ruschi schon sagte, Nazis finden wir alle scheiße.

 

Würdet ihr in diesem Zuge sagen, dass man als Künstler quasi die Verantwortung hat, seinen Mund auf zu machen? Es gibt ja durchaus Bands mit Reichweite, die versuchen, so neutral wie möglich rüberzukommen.

Ruschi: Das kommt voll drauf an. Wir sind ja zumindest peripher sowas wie Punk und Hardcore. Das sind klar politische Szenen und ich finde, dass man da nicht hingehört, wenn man nicht  bereit ist, sich klar zu positionieren. Gleichzeitig ist es auch eine Frage der persönlichen Biografie und auch der Inhalte. Wenn deine Lyrik eigentlich eher introspektiv und traurig ist, deine Musik sich nicht mit Wut oder so beschäftigt, wenn du‘s einfach nicht fühlst, dann lass es. 

Schwach finde ich allerdings, wenn Leute fordern, dass Bands gefälligst unpolitisch sein sollen, bzw. sich zu polarisierenden Themen nicht äußern sollen. Die haben dann wohl den Schuss nicht gehört. Ich will auf jeden Fall keine Leute auf unseren Konzerten, für die Antirassismus ein Diskussionsthema ist.

Aaron: Ich finde das muss jeder für sich entscheiden, ob er zu diesen Themen was sagen will oder nicht. Und wie Ruschi schon sagt: Leute, die denken, dass Bands ihren Mund halten sollen, sind Idioten, die Angst vor der Wahrheit haben.

“Man darf auf jeden Fall sagen, dass man dieses Jahr einiges von uns hören wird!”

Sehr schön! Es wurde oben ja schon angeteasert: Plaquecycle ist nur der Anfang?

Aaron: Wie vorhin schon gesagt, wir haben da noch nen paar Songs in der Pipeline, die auch richtig was können. Man kann auf jeden Fall sagen, dass man dieses Jahr einiges von uns hören wird. 

Ruschi: Und im Oktober lösen wir uns dann wieder auf.

 

Werden dann wieder Aljosha Sieg und Jeff Dunne ihre Finger im Spiel haben?

Ruschi: Stand jetzt werde den Mix wohl wieder ich selbst übernehmen. Plaguecycle ist zwar irre fett geworden, aber die externe Gesamtsituation mit Corona ändert vieles. Außerdem kriegen wir alle ständig neue Kinder, da muss man auch mal auf den Euro gucken.

 

Cool! Plant ihr denn nur einzelne Songs oder kann man in gewisser Zeit auch mal ne EP oder sogar Album erwarten?

Ruschi: Es ist 2021. nur irgendwelche ewiggestrigen Hardcore- und Punkbands machen noch zusammenhängende Releases. Erstmal gibt’s Songs. Ob und wie wir die zusammenfassen, wird sich zeigen.

Aaron: Es ist halt Quatsch sich mit Zwang an ein Album zu setzen, wenn im Endeffekt dann nur fünf gute Songs drauf sind. Dann lieber fünf geile Singles raushauen mit geilen Videos. 

 

Halten wir so fest! Wollt ihr abschließend noch was loswerden oder erzählen, was die Leute noch wissen sollten zur „Reunion?

Aaron: Wir hoffen natürlich, dass die neue Single gut ankommt und dass wir sie dann auch ganz bald mit allen zusammen live abfeiern können. 

Ruschi: Du Schleimer

Aaron: Achso. Ganz dicke Props noch an Jan Holthaus von filmartig für das überragende Video! 

Video zur Single "Plaquecycle"

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