Noise must go on!

Drei Paderborner Bands wollen mit einem Pionierprojekt den Neustart der Konzertszene wagen. Carsten hat Greifi von Sulamith dazu ein paar Fragen gestellt. 

Text: Hippe

Das Projekt steht auf wackeligen Beinen: Drei Bands, die sich verschiedenen Stilrichtungen des Metal verschrieben haben, wollen am 15. Mai die Quadratur des Kreises probieren und ein Konzert unter geltenden Corona-Schutzmaßnahmen in der Paderborner Kulturwerkstatt veranstalten. Mindestens genau so wichtig wie das Event an sich ist dabei das Zeichen, das von der Terminierung ausgeht. Wie genau das gemeint ist, verrät uns Karsten alias Greifi von der Band Sulamith. 

Hi Karsten (oder Greifi? Was ist dir lieber?). Der Titel eurer geplanten Veranstaltung lautet „Noise must go on“. Da steckt ja schon eine gewisse Dringlichkeit drin. Wie sehr vermissen du und deine Bandkollegen Konzerte?

Hi. Greifi ist okay. Erst einmal vielen Dank für das Interview. Eine starke Seite mit einem schönen Konzept habt ihr entworfen.

Zunächst ist „Noise must go on“ eine kleine Hommage an Queen, nur etwas gröber. Der Titel sollte etwas Positives ausstrahlen und versuchen, aus der Lethargie zu helfen. Das ist auch die Dringlichkeit. Es geht gar nicht darum, auf Biegen und Brechen eine Show durchzuziehen (Gesundheit geht sowieso vor), sondern ein Ziel zu haben, auf das man hinarbeiten und sich hoffentlich freuen kann. Auch wenn es nur ein Luxusproblem darstellt, aber ich, wie viele andere auch, vermisse natürlich die Musik, die face-to-face-Gesellschaft und Gespräche ohne digitale Medien.

Stand jetzt wisst ihr weder ob noch wie eure Veranstaltung stattfinden kann. Warum habt ihr trotzdem gesagt: „Jetzt versuchen wir es einfach?“

Das Gute ist, dass wir finanziell nicht von der Musik abhängig sind. Wir verlieren nur die investierte Arbeitszeit, wenn es abgesagt werden sollte. Sollte es stattfinden, werden einige Leute einen schönen Abend und wieder ein wenig Abwechslung vom schwierigen Alltag haben. Da es vielen Menschen viel schlechter als uns geht, werden wir im Verbund der Bands die Einnahmen nach Abzug der Kosten an die Kindernothilfe spenden.

Waren Battlesword und Late Generation sofort dabei? Wie seid ihr in dieser Kombination überhaupt zusammengekommen?

Beide Bands haben sehr schnell zugesagt. Ich denke, dass jede Band gerne wieder auf die Bühne gehen möchte. Alle, auf und vor der Bühne, sind ausgehungert. Mit Battlesword wollten wir schon lange eine Show zusammen organisieren (wir haben uns als Bands irgendwie immer verpasst), und Late Generation sind einfach tolle Dudes (zumal Ruschi uns schon mehrfach einen schönen Sound auf der Bühne kredenzt hat). Musikalisch bin ich Fanboy von beiden Bands. Eine schöne Abwechslung ist bei den Bands auch gegeben.

“Wir sind noch hier und wir geben definitiv nicht auf!”

Wie hat die Kulturwerkstatt auf eure Anfrage reagiert?

Ziemlich lässig. Mein Ansprechpartner meinte, dass die Mitarbeiter der Kulte total Bock darauf hätten und den Plan sehr cool fänden (auch, wenn nicht alle glauben, dass es stattfinden darf, aber es kann noch vieles passieren, auch in positiver Hinsicht). Auch dort sind alle ausgehungert.

Ein Metalkonzert vor 50 sitzenden Zuschauer*innen – das klingt zunächst mal wenig nach Rock’n’Roll. Wie gehen für dich persönlich Schutzmaßnahmen und Entertainment zusammen?

Mir persönlich ist die Zuschauer*innen-Anzahl nicht so wichtig. Und wenn es nur 30 Zuschauer*innen sind (oder noch weniger), haben wir für die Anwesenden und uns einen schönen Abend auf die Beine gestellt. Als Veranstalter werden wir die Gesundheit aller an die erste Stelle setzen, also jede Vorgabe der Regierung umsetzen. Wir werden kein Risiko eingehen. Als Band werden wir wie immer alles geben und hoffentlich mit einem Grinsen und positiven Reaktionen von der Bühne gehen. Sitzkonzerte sind ungewohnt, aber sicher spannend und besser als nichts.

Wie ist die Resonanz auf eure Idee?

Die Resonanz ist bisher sehr positiv. Wir werden auch die Werbung stark an der Basis halten, denn ich denke, die Interessierten werden es erfahren und mehr Werbung macht wenig Sinn unter den derzeitigen Beschränkungen. Dennoch haben wir schon viele Zusagen oder Interessensbekundungen und viel positive Rückmeldungen.

Glaubst du, dass die Paderborner*Innen in der Zeit der Pandemie eine andere Wertschätzung für Kultur im Allgemeinen und Subkultur im Speziellen entwickelt haben? Wie nachhaltig wird diese sein?

Das glaube ich. Es gab viele Zeiten, in denen Konzerte in Paderborn eher spärlich besucht waren. Vielleicht fehlte mal ein großer Headliner oder die Bands haben sich hier totgespielt oder was auch immer die Gründe waren. Ich nehme mich da nicht raus. Manchmal ist man übersättigt und müde. Nach über einem Jahr der Stille wird es zunächst anders sein. Ich denke, die Leute werden die nächsten Veranstaltungen (je nach Gesundheitslage) stürmen. Vielleicht wird das sogar bei uns sein, egal, ob die Leute unsere Musik gut oder schlecht finden, aber die Hauptsache ist eine paar Stunden Abwechslung. Wie lange die Euphorie anhält, ist fraglich. Ich würde mir wünschen, dass auch kleine Konzerte wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Große Festivals werden in den nächsten Jahren sicherlich nicht so stattfinden können, wie man es gewohnt ist.

Danke Greifi. Wir drücken die Daumen, dass euere Pionierarbeit erfolgreich sein wird. Natürlich werden wir weiter berichten. 

Plakat Noise

Übrigens

Wer mehr über die Veranstaltung erfahren und aktuelle Änderungen und Vorgaben nicht verpassen möchte, der kann über den Button zur Facebook-Veranstaltung weitergeleitet werden.