Olaf Menne - Libori Light 2021

Olaf Menne ist Booker bei der Agentur “Lautstrom” und hat das diesjährige Liboriprogramm für den Platz der kleinen Künste organisiert. Im Interview spricht er über das Konzept und sein persönliches Fazit zu Libori Light. Auch spricht er über die Veränderungen von Konzertgänger*innen und der Bandlandschaft. 

Text: Hippe

Hi Olaf. Als Booker hast du mit deiner Agentur „Lautstrom“ die Bands für den „Platz der kleinen Künste“ für das diesjährige Libori Light gebucht. Dabei fiel auf, dass das Programm vor allem durch lokale Bands unterschiedlicher Musikrichtungen geprägt war. Erzähl uns was zu dem Konzept. 

Ich war in diesem Jahr in erster Linie für die Koordination und Betreuung der Bands zuständig. Die Programmplanung war ein Gemeinschaftsprozeß. Das Kulturamt hat dabei auch den Verein Connect e.V. einbezogen. Das Programm war eine Mischung aus regionalen Bands und Acts, die ursprünglich für 2020 gebucht waren. Im letzten Jahr mussten wir allen neun gebuchten Bands absagen. Wir hatten versprochen, dass wir sie im Folgejahr berücksichtigen. Letztendlich passte ein 2021er Termin dann nur bei Jimmy Cornett & The Deadmen, Garden of Delight und Abramowicz. So entstand viel Platz im Programm. Auf Wunsch der Politik wurde der für lokale Bands zur Verfügung gestellt. Raphael Gessenhardt und co. haben die meisten Bands vorgeschlagen. Beim Booking haben wir darauf geachtet, dass das musikalische Profil der Bühne, das in den letzten Jahren aufgebaut wurde, erhalten bleibt. Der „Platz der kleinen Künste“ steht für alternative Musiksparten. Hier darf es auch gern mal laut und schräg sein. 

 

Bis zum Schluss haben die Veranstalter offen gelassen, in welcher Größenordnung die Konzerte stattfinden werden. Letztendlich haben die steigenden Inzidenzzahlen dazu geführt, dass 150 festgeschriebene Plätze zur Verfügung standen. Hat dieses Konzept der Stimmung Abbruch getan? Wie haben die Gäste das aufgenommen?

Tatsächlich hätten wir den Franz-Stock-Platz laut Corona-Schutz-Verordnung des Landes NRW am ersten Wochenende – als in Paderborn noch die Inzidenzstufe 0 galt – voll füllen dürfen. Bei steigenden Fallzahlen und immer mehr Meldungen von Ansteckungen bei Parties und Festivals wollte das aber niemand.
Das Konzept, lediglich 150 feste Plätze anzubieten, die im Vorfeld gebucht werden müssen, hatte auch Vorteile: Die Besucher kamen gezielt zu den Konzerten und hatten Lust auf Livemusik. Das sogenannte Laufpublikum, das sonst während der Libori oft den Großteil der Zuschauer ausmacht, gab es nicht. Das machte es für die Bands leichter, das Publikum zu erreichen. Auch die Bestuhlung hatte Vorteile: Oft ist es bei Konzerten ja so, dass sich zunächst nur wenige nach vorn trauen und das Publikum lange in einem Halbkreis um die Bühne rumsteht. Diese Phase gab es gar nicht. Teilweise war vom ersten Song an echte Konzertstimmung auf dem Platz. Wir hätten nicht gedacht, dass unser Publikum so gern sitzt. An den ersten zwei Tagen wollten wir auf die Bestuhlung verzichten und nur die Tanzmatten, die für die Kopfhörerpartys gedacht waren, anbieten. Tatsächlich gab es aber so viele Nachfragen nach Sitzmöglichkeiten, dass wir die Bänke dann immer gestellt haben. 

 

Was ist dein generelles Fazit nach einer Woche „Platz der kleinen Künste“?

Es war super, dass Libori zumindest in dieser Form stattfinden durfte. Die Tickets für unsere Konzerte waren sehr schnell komplett vergriffen. Nach dem Bierbrunnen, der innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft war, hatten wir tatsächlich das begehrteste Programm von Libori Light. Das war ein sehr schönes und motivierendes Zeichen, auch wenn die Tickets kostenlos waren. Vor Ort lief alles reibungslos, obwohl der organisatorische Aufwand aufgrund der einzuhaltenden Hygienevorschriften wesentlich größer war als in den letzten Jahren. Stefan Hermanns und Anne Bittner vom Kulturamt hatten alles akribisch vorbereitet und ein super Team zusammengestellt, das Hand in Hand gearbeitet hat.

 

Du bist schon über 20 Jahre im Geschäft. In dieser Zeit hat der Konsum von Musik und Kultur sich durch die digitale Revolution drastisch verändert. „Große“ Acts, auf die sich alle einigen können, gibt es immer weniger. Ist das eher ein Problem für einen Booker oder siehst du hier auch eine Chance für Diversität?

Ich sehe eher die Entwicklung, dass es immer weniger mittelgroße Acts gibt. Es gibt immer weniger Bands, die einen Tourdurchschnitt von 300-500 Zuschauern haben. Du hast große Acts, die ein paar tausend Leute ziehen oder kleine, die um jeden Zuschauer kämpfen müssen. Das Mittelfeld wird immer kleiner. Für Veranstalter wird es immer schwieriger, die Zugkraft von Bands richtig einzuschätzen und auch Künstler kennen oft ihren realen eigenen Marktwert nicht. Hier sind Booker gefragt. Für das richtige Durchführen einer Veranstaltung gibt’s Lehrbücher. Fürs Booking benötigst Du in erster Linie Erfahrung. Ich bin daher froh, dass ich den Job schon so lange mache. 

Wie hat sich das Verhalten von Konzertgänger*Innen deiner Meinung nach generell verändert? Was bedeutet das für die Zukunft von Festen wie Libori oder dem Frühlingsfest in Paderborn?

Ich beobachte, dass Konzertgänger immer mehr eine Show erleben wollen. Sie möchten unterhalten werden, einen schönen Abend erleben. Sie wollen mehr als nur ein gutes Sounderlebnis. Das Publikum will nicht nur Musikern beim Musikmachen zusehen. Das Drumherum wie das Ambiente der Location und das gastronomische Angebot müssen passend sein. Konzertgänger sind dazu immer vorbereiteter. Sie kommen gezielt und mögen ungern Überraschungen. Dabei fahren sie auch schon mal 100 Kilometer oder weiter für ein Konzert. Auch der Ticketpreis spielt kaum eine Rolle, wenn ein guter Abend in Aussicht steht. Am wichtigsten ist dabei allerdings immer das Programm auf der Bühne. Immer weniger Zuschauer sind dazu bereit, sich auf zu viel Neues einzulassen. Es wird als anstrengend empfunden, sich einen ganzen Abend lang auf komplett unbekannte Künstler einzulassen und unbekannte Songs zu hören. Eine gute Show braucht für das Publikum bekannte Elemente. Dabei geht’s nicht nur unbedingt um bekannte Songs. Ich beobachte auch, dass Konzertrituale immer wichtiger werden. Damit meine ich Dinge wie Mitmach-Aufforderungen, oder das Auf und Ab der Musiker bei Zugaben und das Treffen am Merch-Stand. All das macht ein Konzerterlebnis aus und wird erwartet. 

Wenn ich Acts für Feste wie die Libori oder das Frühlingsfest buchen darf, versuche ich stets Künstler zu verpflichten, deren Auftritte solche Aspekte berücksichtigen. Mit spannenden Künstlern lassen sich Tagestouristen in die Stadt locken. Daher ist es wichtig, Programmankündigungen nicht zu kurzfristig zu veröffentlichen und ausführliche Informationen zu liefern. Ansonsten verpufft die Wirkung. Bühnen bzw. Plätze sollten zudem ein möglichst klares Profil haben. Der „Platz der Kleinen Künste“ ist in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel. Der Franz-Stock-Platz hat sich während der Libori in den letzten Jahren zu einer kleinen Erlebniswelt entwickelt, die für hochwertige Spartenkultur steht. Dazu passen auch die Gastro-Stände, die teilweise extra für den Platz konstruiert werden. 

Olaf Menne

Übrigens

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Fotos von Thorsten Henning