RØDEL

Die Stonerrock Truppe “RØDEL” aus Paderborn hat am 6. November bereits ihre zweite EP Namens “Goat Djini” veröffentlicht. Nach einer umfangreichen Review zur EP hat sich Hippe mit Michi (Gitarrist) zusammengesetzt und über die EP, die Band und die Zukunft gesprochen. 

Text: Hippe

Hi Michi, warum muss ich bei “Maiden Flight” in Kombination mit Rockmusik an Bruce Dickinson denken, wie er einen Jet landet?
Weil wahrscheinlich jeder, der irgendwann mal eine Gitarre in der Hand hatte, mindestens einmal in seinem Leben den Versuch gestartet hat ein Maiden Solo zu spielen. Und dann gemerkt hat, es macht einfach Laune. Maiden sind die absoluten Dienstleister. Im positiven Sinne, solides Handwerk. Funktioniert immer.

Hand aufs Herz: Hatten (Gitarrist) Julius und du bei der Titelvergabe für den Song die Finger mit im Spiel?
Nope, Buchstaben sind definitiv Mokkos Gebiet. Julius und ich funktionieren eher über “Schau mal auf den Bund, auf der vierten Saite von oben.”

Du weißt aber, warum ich frage: Immerhin packt ihr gedoppelte Soli aus. Erzähl uns etwas über die Neuerungen im Bandsound auf Goat Djini.
Wir haben das schon in Parts gehabt auf der ersten EP. Aber nur sporadisch, weil es uns beim Proben der Songs als Gimmick immer wieder dazwischen gerutscht ist. Nach der ep haben wir dann mehr damit herumgespielt und es als Stilmittel entdeckt. Es macht die Songs dynamischer, wenn die Gitarren zwischen Melodie und Akkorden wechselt.

Als weitere Neuerung fällt Julius’ Backroundgesang auf. Wie kam es dazu?
Ursprünglich war es ein Projekt mit Manni, Mokko und julius. Mokko am Schlagzeug und Julius am Gesang plus Gitarre. Nachdem Topher und ich dazu kamen wurde durchgetauscht. Wir wussten um Julius Gesangskünste und konnten diese dann auf der zweiten EP auch zur Geltung bringen. Live hatte er immer ein Mikro vor der Nase, als zweite Stimme im Song als Element haben wir das dann für die neuen Songs eingebaut.

“Es gibt kein schlechtes Bier, aber in stickigen Kneipen und Clubs schmeckt´s halt besser.”

Der Closer auf eurer EP überschreitet die 7-Minuten-Marke. Ist es für dich schwer, bei Live-Auftritten die Songstruktur im Blick zu behalten oder geht es – umgekehrt – sogar darum, sich in den Songs zu verlieren.
Wir neigen generell dazu, Songs länger als die Radiotauglichkeit zu schreiben, das hat wenig mit Kalkül zu tun. Da wir viel im Proberaum an Songs arbeiten, kommen immer viele Impulse dazu. Aus jammigen Passagen werden dann Songstrukturen, die diesen Charakter dann auch behalten, auch wenn wir live nicht improvisieren. Sich Zeit für den Aufbau von Songs zu lassen finden wir alle wichtig. In Drei Minuten Songs ist das nicht umzusetzen. So gehen auch mal 3 Minuten für Intro und Outro drauf.

Musst du dich denn bei Live-Auftritten nun konzentrieren oder willst du diese Frage bewusst nicht beantworten? Hast du mit Repressalien durch deine Bandmembers zu rechnen?
In Nicht-Pandemie-Zeiten proben wir regelmäßig und im Studio würde uns Klinke (Mischer) die Ohren langziehen, wenn wir unsere Songs nicht kennen würden. Die Blöße will sich keiner geben. Daher sitzen auch die längeren Songs. Bis 8 können wir auch alle zählen, erst danach wirds schwer.

Seid ihr deswegen nur fünf Bandmitglieder?
Das Angebot der Berliner Philharmoniker, uns zu begleiten, haben wir aus Logistikgründen damals ausgeschlagen. Wir genügen uns als Quintett.

“Gefühlt haben wir genug angestaut, um die 10-Minuten-Marke zu knacken”

Wenn man mit euch spricht, hat man immer das Gefühl, dass ihr gedanklich schon wieder drei Schritte weiter seid. Genießt du so eine Veröffentlichung wie die von Goat Djini oder ist mit dem Recording der Raum im Hirn für Zukünftiges freigeräumt?
Klar freut man sich, wenn man die EP endlich vorzeigen kann, gerade mit dem Artwork von Skullcult. Aber schon im Studio hat man die eine oder andere Anregung für neue Ideen bekommen. Momentan sitzen wir zuhause und schreiben an Fragmenten und sammeln, um diese dann hoffentlich bald im Proberaum auszuprobieren. Für die nächste EP.

Schickt ihr euch auch Material hin und her oder wird wirklich erst im Proberaum zusammengetragen?
Wir schicken uns nichts, aus Erfahrung arbeiten wir im Proberaum effektiver. Wir haben es probiert, es passt aber nicht zu uns.

Trifft euch der Shutdown somit doppelt hart?
Ja, definitiv. Wir sind keine Band, die sich nur im Proberaum trifft, sondern auch abseits viel zusammen macht. Wir haben weiterhin coronaregelkonformen Kontakt zueinander. Das hilft, um die Motivation aufrecht zu erhalten.

Schmeckt Bier auch digital?
Es gibt kein schlechtes Bier, aber in stickigen Kneipen und Clubs schmeckt‘s halt besser.

Abschließend ein kleiner Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Musik von Rödel entwickeln, wenn ihr dann vollgepumpt mit Ideen wieder von der Kette gelassen werdet?
Gefühlt haben wir genug angestaut, um die 10-Minuten-Marke zu knacken, dann hätten wir das auch mal abgehakt. Nach der Selbstdisziplin im Lockdown dürfte es auf jeden Fall mal wieder ausarten und nach vorne gehen. Hauptsache, man kann wieder gemeinsam in einem siffigen Proberaum Lärm produzieren. Wie wichtig das ist, haben wir alle wohl in der letzten Zeit gemerkt.

Amen Bruder und vielen Dank für das schöne Interview!