Sleepless Nights - Last Year

Kurzinterview mit dem Sänger Raphael über die neue Single, den Stilwechsel und wie sie damit einen neuen Abschnitt ihrer Band eingeleitet haben. 

Text: Hippe

Hallo Raphael, vor einigen Tagen habt ihr eure neue Single „Last Year“ veröffentlicht. Wer euch kennt, hat eigentlich eher Indierock-Klänge im Ohr – der Song klingt um einiges härter. Wie kommt dieser Wandel?

Hallo! Ich denke das hat mehrere Gründe. Zum Einen waren wir schon immer Fans der härteren Rock & Metal Genres. Unser Song “Dying Wish” von der ersten EP ist z.B. auch inspiriert von Melodic-Hardcore und Post-Hardcore. Über die Jahre hat sich das dann immer mehr bei uns eingeschlichen und mittlerweile ist es einfach die Musik, die uns live am meisten Spaß macht. Wir haben da zum ersten Mal das Gefühl, uns wirklich gefunden zu haben. Zum anderen wollte ich, dass unsere Texte persönlicher werden und mehr mit uns und unserem Umfeld zu tun haben. Deshalb habe ich letztes Jahr etwa fünf bis zehn Songs geschrieben, in denen ich sehr ehrlich über alles spreche, was mir aktuell Angst und Panik macht. Deshalb ist “Last Year” auch sehr düster geworden – voller offener Fragen, auf die man eben nicht so einfach eine Antwort findet.

 

Inwiefern spiegelt sich der Sound in Thema und Text des Songs wider?

Gute Frage, ehrlich gesagt. “Last Year” beschränkt sich auf sehr wenige Akkorde und ein simples Grundriff, um vor allem der Rhythmus-Sektion und meinem Text viel Platz zu lassen. Vor allem in den Strophen erzähle ich erst aus meiner eigenen Perspektive und dann die Geschichte meiner Oma (kein Witz), da wird das Ganze von der Musik einfach ein bisschen zusammengehalten. Beim Refrain wird es dann… man könnte sagen “animalistischer” und das Ganze wird eingängig und einprägsam. Da fahren dann alle Instrumente voll auf und ich habe mich auch mal an einen “Woah, Woah, Woah”-Part getraut. Die rhythmisch simple Bridge wird dann wieder vom Text getragen, der wiederum in den Breakdown mündet. Ich würde also zusammenfassen, dass sich Inhalt und Musik eher im Wechselspiel befinden. Das war’s erstmal mit Musikanalyse (lacht).

 

Von wem stammt die kleine Soundcollage im Song? Warum habt ihr euch für diese entschieden?

Wir geben ja ehrlich zu, dass wir, wenn es um Kunst geht, sehr nostalgische Menschen sind. Deshalb musste in die Bridge (an der Stelle, wo live Platz für bedeutungsschwangere Reden ist) unbedingt ein Filmzitat aus den 90ern. Unser Produzent Ruschi und ich haben ein bisschen gegoogelt, bis wir die passende Szene gefunden haben. Ich bin damit sehr zufrieden, aber werde mich an dieser Stelle nicht dazu äußern, um welchen Film es sich denn handelt. Der geschulte Brad Pitt Fan hat es vielleicht sowieso schon erkannt…

 

Gibt es musikalische Vorbilder, die ihr vor der Gestaltung eines neuen Songs gemeinsam besprecht, oder passiert das eher unbewusst?

Ich würde sagen, wir wissen schon ganz genau, wer unsere Vorbilder sind. Es ist allerdings nicht so, dass wir uns sagen “wir müssen unbedingt mal einen Sum 41 Song schreiben”. Es läuft eher so, dass man sich bei der Probe in der Bierpause ständig Songs zeigt, die man gerade feiert, und davon fließt natürlich allein unterbewusst viel mit ein. Bei unseren neuen Songs haben wir tatsächlich aber ganz deutlich an drei Alben gedacht, die wir zwar nicht kopieren wollen, aber auf die wir uns soundtechnisch einfach sehr gut einigen können. Gemeint sind “Chuck” von Sum 41, “Crisis” von Alexisonfire und “The Artist in the Ambulance” von Thrice.

 

Ist die Single Vorbote weiterer Aufnahmen? Wann dürfen wir mit diesen rechnen und inwiefern gibt „Last Year“ die Richtung für eure musikalische Zukunft vor?

Der Release von “Last Year” ist definitiv als Zäsur und als Vorbote von allem, was noch kommt, gedacht. Vor der Pandemie wollten wir unbedingt ein Album machen, aber die Idee ist jetzt erstmal vertagt. Wir wollen realistisch bleiben und unsere logistischen, finanziellen und zeitlichen Kapazitäten sinnvoll nutzen. Deshalb haben wir beschlossen, erstmal drei einzelne Singles rauszubringen, die das Warten auf mehr Shows und mehr Songs ein bisschen leichter machen und gleichzeitig unseren neuen Sound präsentieren. Angepeilt sind ein Release im Dezember und im Februar. Außerdem wollen wir “Last Year” natürlich in so viele Ohren kriegen, wie möglich. Seit dem Release sind wir nochmal eine ganze Ecke stolzer auf den Song und wir sind gespannt, wo er uns so überall hinführen wird.

Höre hier die neue Single "Last Year"

Fotos von Michelle Maurer