RØDEL - Goat Djini EP (2020)

“RØDEL haben an wichtigen Stellschrauben gedreht, um den Hörer bei Laune zu halten”

Text: Hippe

Wer regelmäßig alternative Konzerte in Paderborn besucht, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch schon einmal eines oder mehrere Mitglieder der Band RØDEL vor sich auf der Bühne gesehen. Allein Bassist Manni hat gefühlt schon in 20 verschiedenen Bands gespielt und Gitarrist Michi benötigt nicht nur zwei Proberäume in der Paderborner Kulturwerkstatt, um seine vielen Amps und Gitarren parken zu können – er hat dort auch lange Zeit hinter der Theke der Cafeteria Getränke ausgeschenkt (unkreativer Spitzname: „Cafeten-Michi“). 

Alte Bekannte also! So war es wenig verwunderlich, dass die fünf Jungs (neben Manni und Michi sind Sänger Mokko, Schlagzeuger Topher und Gitarrist Julius dabei) ihre Idee, eine Stonerrockband zu gründen, zielstrebig und konzentriert angingen: Obwohl erst 2019 gegründet, ist mit Goat Djini jüngst die zweite EP online veröffentlicht worden. Wo man dem Erstlingswerk noch seine Spontanität und den zugrundeliegenden Jam-Charakter anmerkte, fällt bei der EP mit dem Ziegenkopf direkt das abwechslungsreichere und ausgewogenere Songwriting auf. Zwar geben der verzerrt-rollende Bass und zumeist ein Hauptriff auch hier die Struktur vor, was dann folgt, wirkt aber deutlich geplanter und kalkulierter als noch auf dem selbstbetitelten Debut. 

Ein Beispiel dafür ist der zweite Song Maiden Flight, der mit der bereits erwähnten Trademark, dem verzerrten und auf C runtergestimmten Bass, startet. Schnell merkt man, dass die abwechselnden Parts Abnutzungserscheinungen vorbeugen sollen, unter denen genregleiche Tracks oft leiden, weil sie eher auf die körperliche Erfahrung eines Live-Konzerts ausgelegt sind als auf das „Konsumieren“ im heimischen Wohnzimmer. Man merkt der Platte zudem in jeder Minute ihre professionelle Produktion an, die in der Lage ist, dieses Gewitter aus Tieftönen einzufangen. Da haben die Menschen im Hagener Kellersound-Studio ganze Arbeit geleistet. Und weitere Neuerungen werden anhand des „Jungfernflugs“ deutlich, denn „Maiden“ darf hier im zweifachen Sinne verstanden werden: Die gedoppelten Soli von Michi und Julius erweitern die Riffs um eine frische Metal-Note. Das tut den Songs gut. Gleiches gilt für den Backroundgesang, der der ansonsten meist gleichbleibenden und tiefgelagerten Stimme von Sänger Mokko eine bereichernde Farbe hinzufügt. „We keep on moving slow“ singt Mokko und es zeugt von Cleverness, dass sich die Band am Ende des Songs nicht an dieses Motto hält und noch einmal anzieht. 

Insofern haben RØDEL an wichtigen Stellschrauben gedreht, um den Hörer bei Laune zu halten. 

 

“Gewitter aus Tieftönen”

Die Texte von Sänger Mokko bieten Interpretationsspielraum und sind wohl eher dazu gedacht, die Atmosphäre der Songs zu stützen, als in sich stimmige Geschichten zu erzählen. Bei „Thunder and Lightning in the sky“ in Kombination mit dem zunächst schleppenden Beat des Maiden Flight entstehen Bilder von verlassenen Landstraßen in (ostwestfälischen) Wüsten vor dem geistigen Auge. Man ahnt, dass da nichts Gutes wartet. Mit diesen Visionen muss man sich dann aber auch begnügen, das James-Hetfield-Gedächtnis-„Yeah“ bei Minute 3 stützt diesen Eindruck. Doch die textliche Reduzierung ist an vielen Stellen keinesfalls als Minuspunkt zu verstehen: Die brutale Musik kann so noch freier atmen, die Stimme wirkt wie ein zusätzliches Instrument. So vor allem beim benebelten Titeltrack der EP, bei dessen Beginn der Sänger den Ziegengeist mit erfrischend irrem Gesang beschwört und dabei stellenweise an Jonathan Davis von Korn erinnert. Ansonsten gilt: Worteskapaden kann Mokko als Rapper Solay eh besser an anderer Stelle zelebrieren. 

Was bei höherem Kalkül zwangsläufig geringer ausfällt, ist der Proberaumspirit, der das charmant unperfekte Debut noch stärker auszeichnete. Dass RØDEL auf Goat Djini eben weniger rödeln und stattdessen noch stärker ihre musikalische Klasse zeigen, ist aber der richtige Schritt und es stellt sich die Frage, wie der weitere Weg für die Band wohl aussehen wird. 

Dass Goat Djini ein Fortschritt, aber noch nicht das von den Jungs gewünschte Ziel der Entwicklung ist, zeigt sich dann wohl auch in der Veröffentlichungspraktik: Die EP erscheint ausschließlich online, was angesichts des grandiosen Covers der Kölner Künstlerin Skullkult ein mittelschwerer Skandal ist. 

Bewertung

 7/10