Skatehalle in Paderborn - Mehr als eine Träumerei!

Gespräch mit Michael Franke vom Verein “Asphaltsurfer” über die Petition zur Realisierung einer Skatehalle mit multifunktionalen Möglichkeiten. Das ist auch interessant für die Musikszene. 

Text: Nico

Stell dir vor, deine Stadt hat plötzlich Grundstücke frei. Viel Platz, gute Anbindung, sogar ein paar leere Gebäude. Und dann fragt sie dich, was sie damit anstellen soll. Zu schön, um wahr zu sein? In Paderborn passiert das aber gerade wirklich. Unter dem Stichwort „Paderborner Konversion“ sind wir alle dazu eingeladen, unsere Vorstellungen einzubringen. Hast du nicht mitbekommen? Wir auch nicht.

Warum so wenig Aufmerksamkeit auf die Aktion gelenkt wird, ist ein Geheimnis der Verantwortlichen. „Absolut keine Ahnung“, sagt dazu auch Michael Franke, der trotzdem aufmerksamer war als wir. Micha vom Verein „Asphaltsurfer e.V.“ hat nicht nur von der Aktion mitbekommen, sondern auch eine Vision. Und zwar die Vision, die bisher mit Abstand am meisten Zuspruch bekommen hat: Eine Skatehalle.

Es geht nämlich um die Kasernenflächen, die von den abziehenden britischen Streitkräften zurückgelassen werden, insbesondere die der Barker Kaserne an der Driburger Straße. Ein Areal mit ungefähr der doppelten Größe des Universitätsgeländes. Auf der Website des Projekts Paderborner Konversion ist die Rede davon, dass dort „Europas innovativster Stadtteil“ entstehen soll, und überall lockt das Wörtchen „Mitmachen“!

Micha von den Asphaltsurfern will also mitmachen, und er hat dabei jede Menge Verstärkung. Wir treffen ihn beim Slider Boardshop auf ein spannendes Gespräch, in dem er von seinem Plan berichtet. Wieso eine Skatehalle? Wie soll die aussehen und funktionieren? Wieso nicht lieber Büroräume für IT-Startups, wie es sich für Paderborn gehört?

Paderborn muss attraktiver für junge Leute werden, findet Micha. Paderborn ist eine Studentenstadt mit 20.000 Studierenden, aber die Ausgehmöglichkeiten schwinden. Viele verbringen ihre Wochenenden lieber in der fernen Heimat. Es gibt hier deutschlandweit einzigartig den Studiengang Populäre Musik und Medien, aber Bühnen sind rar, Künstler:innen und Kreative wandern ab. „Es könnte in Paderborn so schön sein, aber wir fahren heute trotzdem nach Münster“, fasst Micha zusammen.

„Es könnte in Paderborn so schön sein, aber wir fahren heute trotzdem nach Münster”

Auf Münster kommen wir immer wieder zu sprechen. Das dortige Skaters Palace dient als Vorbild für Michas Vision: Neben den Angeboten für Skateboarding kann die Halle dort gleichzeitig als Location für Konzerte und andere Events dienen, bietet Raum für Musik- und Graffitiszene, eine Bar und sogar Mittagstisch. Münster erscheint auch dank des Skaters Palace auf der Landkarte für Konzerte von größeren Acts, so haben sich dort etwa A Day To Remember, Turnstile oder Bring Me The Horizon die Ehre gegeben – bisher undenkbar in Paderborn.

All das könnte aber möglich sein. Der Skatepark im Goldgrund zeigt, wie gut Skaten in Paderborn angenommen wird. „Und zwar jeden Tag“, sagt Micha. „Gestern war Dienstag, normaler Wochentag, 14 Grad. Locker über 100 Leute waren da. An einem Dienstag.“ An Wochenenden kann sich diese Zahl sogar verdoppeln. Aber das Wetter muss eben mitspielen, denn bei Nässe ist sofort Feierabend. Was bedeutet, dass Skateboards in Paderborn nur ein Saisonkennzeichen bekommen. In ganz OWL findet sich keine Indoor-Skateanlage für die langen Wintermonate, es bleiben einem höchstens die Zugfahrten nach Kassel, Dortmund oder eben Münster. Micha ist sich sicher: „Eine Skatehalle in Paderborn würde im Winter alleine durch die lokale Szene prall gefüllt werden können. Dazu kämen die Leute aus Bielefeld oder Lippstadt, die im Winter ebenfalls dieses Problem haben.“ 

Wir glauben kurz, uns verhört zu haben: Menschen aus Bielefeld kommen nach Paderborn? Das ist sonst doch umgekehrt?

„Wir haben hier die Chance, das komplette Image von Paderborn aufzupolieren. Wir können attraktiver für junge Leute werden, wir könnten Stundent:innen von außerhalb haben, die hier bleiben wollen. Und es könnte endlich so sein, dass wir nicht mehr woanders hinfahren müssen. Oder eben unsere Kinder.“

Denn Micha zählt weiter auf: Skate-Workshops und Kurse, wie sie von den Asphaltsurfern bereits am Goldgrund gigantischen Zuspruch erfahren, können ebenso wie Proberäume und Platz für Kreative dafür sorgen, dass besonders Jugendliche sich intensiv beschäftigen und verwirklichen könnten. Die Zahl derer, die von einem solchen Angebot profitieren würden, ist unüberschaubar.

Wir sind längst angefixt. Jetzt wollen wir auch wissen, wie es um das Projekt steht.

Manche denken sogar schon weiter und sind schon bei der Umsetzung des Projekts angekommen. 

„Die Idee ist in den Köpfen der Entscheider angekommen“, sagt Micha. Sein Engagement auf der Projektseite der Paderborner Konversion hat mit Abstand die meisten Unterstützer. Die drei Planungsbüros, die mit der Umgestaltung des Barker-Areals beauftragt wurden, haben sich bereits offen gezeigt, obwohl eine Nutzung für Sportangebote zunächst gar nicht vorgesehen war. Bis März 2022 soll es noch zwei weitere Partizipationsphasen geben, wie Micha erklärt: „Im August findet die Synthesewerkstatt statt“. Synthesewerkstatt? So richtig transparent klingt das alles nicht. „Konversion“ ja auch nicht. Und die dazugehörige Seite der Stadt Paderborn ist unzugänglich wie aus einem Homepage Generator der frühen 2000er. Das Bemühen, auf die Umgestaltungsaktion aufmerksam und Teilhabe zugänglich zu machen, scheint aus unserer Sicht irgendwie nicht so groß zu sein. 

Also müssen sich Micha und die Asphaltsurfer darum kümmern.  Alle verfügbaren Kanäle werden mit Infos und Aufrufen zum Mitmachen geflutet. Es lohnt sich, die Resonanz ist groß: „Viele reagieren positiv, viele haben sogar ihre Hilfe angeboten. Manche denken sogar schon weiter und sind schon bei der Umsetzung des Projekts angekommen. Gero Puls vom Wohlsein denkt zum Beispiel schon über Bar oder Disko nach.“ Auch Ratzi, Inhaber vom Slider und Loser Coffee, ruft da zu uns rüber, dass er bei dem Bau der Skateanlage natürlich behilflich wäre.

Micha ergänzt: „Es wäre ohnehin wichtig, dass wir vom Verein bei der Umsetzung mitgestalten können, gerade beim Skatepark. In Borchen wurde gerade ein Skatepark für 25.000 Euro gebaut, der aber so an den Bedürfnissen vorbeikonzipiert wurde, dass da jetzt nur Scooter drauf fahren können. Oder in Sande, da ist die Halfpipe zu groß.“

Die Bedingungen an der Driburger Straße sind ideal: Auf dem Gelände stehen alte Panzerhallen, die Micha im Visier hat. Diese müssten für eine Umnutzung nicht einmal abgerissen werden, sodass massiv Kosten gespart werden würden. Auch hier dient das Skaters Palace als Vorbild, das früher mal eine Fließbandfabrik war. 

In einem knappen Jahr wissen wir mehr, wie weit es die Vision von Micha und den Asphaltsurfern gebracht hat, die von jetzt an auch unsere Vision ist.

Fotograf: Kevin Bergen I Artist: Fabio Schwede

Asphaltsurfer

Übrigens

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