Picknick Konzerte (2021)

Picknick Konzerte: Am 16. Juli spielen Giant Rooks in Schloß Neuhaus. Genau, die Giant Rooks aus dem Radio. Tags darauf Gentleman, und um das Wochenende rund zu machen, kommt auch noch Joris. Das ist eine ziemlich hohe Dichte großer Acts. Und findet wirklich statt.

Text: Nico

Zu verdanken haben wir das vor allem dem Mann, den wir sonst als Chef vom Wohlsein kennen: Gero Puls. Also fragen wir bei Gero mal nach, wie die Picknick Konzerte funktionieren, wie es nach einem Jahr Lockdown um das Wohlsein steht und welche anderen Pläne es für die Zukunft gibt.

Viele Gründe gibt es aktuell nicht, um sich in die Tiefen der ehemaligen Zentralstation zu verirren. Auch wenn es dort heutzutage etwas mehr Sonnenlicht als früher gibt. Stehen wir aber vor dem Wohlsein, Paderborns wichtigstem Club für Subkultur, vor den Aufklebern von Franky oder Korn Fanto, befördert uns die Erinnerung sofort wieder mit leichter Taubheit in eine Wolke aus Zigarettenqualm und Gesprächsfetzen. Als wäre es nicht über ein Jahr her, dass wir hier den letzten geilen Abend (in unserem Fall: GIVER Releaseshow) gefeiert haben.

Dabei ist das Wohlsein alles andere als tot. Es hat sich nur vorübergehend neu erfunden. Wir sind hier, um mehr über das neueste Projekt zu erfahren: Die Picknick Konzerte im Schloß- und Auenpark.

Dass Livemusik langsam den Weg zurück in unseren Alltag findet, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Die Picknick Konzerte stellen in ihrer Größenordnung jedoch in den Schatten, was sich bisher auf kleinen bis mittelgroßen Bühnen abgespielt hat. Entsprechend viel Aufwand steckt darin, wie Gero uns erzählt – und auch die stete Sorge, dass am Ende alles abgesagt werden muss. Im Februar (kurze Erinnerung: Damals rund 10.000 Neuinfektionen täglich) habe er die Chancen etwa bei 50/50 gesehen, sagt Gero. Ein Publikum von knapp tausend Besucherinnen und Besuchern schien damals noch utopisch. Fünf Monate später steht nun aber fest, dass die Picknick Konzerte stattfinden können.

Voraussetzung: Die Besuchergruppen müssen auf ihren mitgebrachten Picknickdecken genug Abstand zueinander einhalten können. Die Wiese im Schloß- und Auenpark wurde dazu per Laser vermessen, um herauszufinden, wie viele Plätze es dort insgesamt gibt. Aber mit dem Zuweisen der Plätze sind längst nicht alle Herausforderungen gemeistert, wie Gero weiter ausführt: Vor allem Schlangenbildung, etwa beim Merch-Stand oder bei der Gastronomie, stellt ein Risiko dar, das in der Planung behoben werden muss. Abhilfe schafft ein Bringservice, der Getränke und Snacks direkt an der Picknickdecke serviert – zur Orientierung ist jeder Platz mit einem QR-Code verknüpft, mit dem man seine Bestellung kontaktlos aufgeben kann.

Ein enormer Aufwand also, den Gero mit seinem Team aber gerne auf sich nimmt: Er findet den Gedanken ziemlich charmant, gute Musik im Sitzen oder Liegen genießen zu können, dazu im Kreis von guten Freunden.

Auf der wirtschaftlichen Seite schlägt jedoch auch ins Gewicht, dass die gesamte Logistik für die Konzerte natürlich nicht günstiger wird, nur weil weniger Publikum kommt. Und die Kapazität der Spielstätte wird höchstens zu einem Fünftel ausgenutzt. Gero glaubt jedoch, dass dieses Konzertformat uns ohnehin nicht lange begleiten werde. Sein langfristiges Ziel: Paderborn als Ort für Konzerte dieser Größenordnung auf die Landkarte zu bringen. Künstler wie Giant Rooks (16.7., ausverkauft), Gentleman (17.7.) oder die Antilopen Gang (24.7.) gibt es in Paderborn bisher maximal auf dem AStA-Festival zu sehen. Das zu ändern, sagt Gero, sei seine Mission.

Es könnte sich lohnen. In ganz NRW gibt es Picknick Konzerte, die übrigens von Landstreicher Konzerte ins Leben gerufen wurden, sonst nur in zwei anderen Städten. Bands und Booking-

Agenturen haben sehr positiv auf die Anfrage aus Paderborn reagiert, denn so hungrig wie wir auf Konzerte sind, so dringend wollen die Künstler wieder auf die Bühne.

Gero lobt in dem Zusammenhang auch ganz ausdrücklich die Unterstützung der Stadt Paderborn und des Ordnungsamts bei der Planung der Konzerte. Im Februar habe sich die Idee noch sehr absurd angefühlt, aber es sei dem kooperativen Geist und der Mitmachkultur zu verdanken, dass das Konzept schließlich Form angenommen hat. Kaum zwei Minuten, nachdem er das erzählt, klingelt tatsächlich wieder das Ordnungsamt auf Geros Handy an, um weitere Details zu besprechen.

Wir stellen also fest, dass es wahnsinnig viel zu tun gibt, obwohl das Wohlsein weiterhin geschlossen ist. „Wir haben die Zeit wirklich gut genutzt“, sagt Gero, der die Power seines Teams während der Pandemie kurzerhand für verschiedene Dienstleistungen in Sachen Ticketing und Verwaltung angeboten hat. So ist der Laden vorübergehend zu einem Büro umfunktioniert worden. Ein Schreibtisch, ein paar herumstehende Kartons, die Stühle im Barbereich hochgestellt. Spotify spielteine Playlist namens „Der hippe Indie-Shit“, was sonst. Gero selbst ist musikalisch übrigens vor allem durch Funk, Soul und Classic Rock geprägt, aber was wäre die Welt schon ohne Indie. Als Empfehlungen gibt er uns das „The Universe Smiles Upon You“-Album von Khruangbin und die Band Yin Yin mit auf den Weg, zwei frische Lockdown-Entdeckungen.

Wir sagen Dankeschön für das nette Gespräch und freuen uns auf den nächsten Besuch, vielleicht ja schon wieder bei Disco- oder Konzertbetrieb!

Übrigens

Für die Picknick Konzerte gibt es nur noch wenige Tickets – also beeilt euch, wenn ihr bei diesem wohl einmaligen Erlebnis dabei sein wollt!