Einer der schönsten Tage des Jahres 2020

SCUNKS Sänger und KSFN Autor Hippe berichtet über den Dreh des Videos zu “Partyboring”

Text: Hippe

Es gab schon mal leichtere Zeiten, um ein Musikvideo zu drehen, das für unsere Verhältnisse einiges an Planung erforderte. Nachdem unser erster Studioaufenthalt in der Oldenburger Tonmeisterei Anfang Juni unter strengen Sicherheitsbestimmungen erfolgreich verlaufen war, hatten wir direkt den nächsten Termin für Ende Oktober angesetzt. In der Zwischenzeit mussten wir die Songs erstmal einüben – definitiv positiver Druck für unsere Kapelle, die sich zuvor wieder vier Jahre darauf beschränkt hatte, Vorhandenes zu verwalten und ab und zu ein Konzert zu spielen. Nach dem ersten Studioaufenthalt gefiel mir ein Song besonders gut: „Partyboring“. 

Er ist kein typischer SCUNKS-Song, weil er zunächst fast eine Minute nur mit Gitarre und schiefer Stimme auskommt, bevor alle Instrumente einsteigen. Was mir aber besonders gut daran gefällt, sind das vertrackte Schlagzeug und der Gangshout-Part kurz vor Schluss, der mit einem hochsensiblen Raummikro aufgenommen worden ist und deswegen keinen billigen Halleffekt benötigte, sondern einem wirklich das Gefühl von Räumlichkeit vermittelt. Mir fiel direkt auch ein Video dazu ein, das aber weniger einer konkreten Storyline folgte, sondern eher ein Gefühl davon vermitteln sollte, wie es ist, auf dem Land aufzuwachsen – Schönheit und Tristesse sollten dort Hand in Hand gehen. Und schnell war auch klar, dass dieses Vorhaben schwieriger zu realisieren werden würde als alle davor. 

Verstehen wir uns nicht falsch: (Semi-)professionelle Bands stampfen so ein Video über ihre Connections und mit der vorhandenen Erfahrung wahrscheinlich am laufenden Band aus dem Boden und haben dabei noch das ein oder andere Easter-Egg parat, auf das wir in tausend Jahren nicht kommen würden. Wir sind aber eine Band, die im Normalfall nicht mal regelmäßig probt, geschweige denn über irgendwelche finanziellen Möglichkeiten verfügt. Und so ist es fast schon dem Zufall geschuldet, dass wir das einigermaßen professionell über die Bühne bringen konnten. Beim T-Mania trafen wir nach unserem Konzert am Merch-Stand nämlich auf einige engagierte und angetrunkene junge Menschen aus dem Ort Dalhausen und Umgebung, von denen einer – Noah – behauptete, sich ganz gut mit dem Filmen und Schneiden von Videos auszukennen. Wir kamen ins Gespräch, verabredeten aber erstmal nichts weiter. Doch schon kurz darauf erinnerten wir uns aneinander und so kam es, dass Noah uns auf den vier Konzerten unserer Paderborn-Tour (wenn man das so nennen will) begleitete. Was er daraus zauberte, überzeugte uns restlos und kann hier angesehen werden:

 https://www.youtube.com/watch?v=S2UcNB0izjk&t=1s

Gemeinsam mit Noah plante ich also in unzähligen Seiten Chatverlauf ein Video. Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen und nahmen immer weiter Gestalt an. Dann ging es an die konkretere Planung: Wo sollen wir drehen? Klar: Hüssenberg bei Eissen. Darf man das in Corona-Zeiten überhaupt? Kläre ich ab. Was brauchen wir? Bier, Moped, gutes Wetter. Wer soll die Hauptrollen spielen? Da habe ich wen…

“Übrigens: Fake-Kotze kann man einfach mit Kola und zerkauten Chips im Mund zusammenwischen”

Ich gründete auf Facebook eine geheime Gruppe, was schon zeigt, was es in dem Video kaum gibt: Jugendliche. Das war aber nicht schlimm, denn die wunderbaren Menschen, die dort letztendlich mitmischen, versprühen allesamt einen jugendlichen Spirit, der letztendlich wichtiger ist als die erste Idee. Unsere Hauptdarsteller Leon, Madeline und Moritz sagten zu und entpuppten sich als Glücksfall, denn nichts ist schwieriger zu finden, als überzeugende Darsteller – da nützt sonst auch die beste Kamera nichts. Außerdem senkten sie den Altersschnitt der anwesenden Personen merklich. 

Dem lokalen Amt wurde ein der damaligen relativ entspannten Situation entsprechendes Sicherheitskonzept vorlegt, zu dessen Einhaltung sich alle verpflichteten – Alex wachte sehenden Auges darüber. Auch der Pächter zeigte sich einverstanden – es konnte also losgehen. Problem: der deutsche Sommer. Nach einer ordentlichen Hitzewelle regnete es natürlich ausgerechnet an dem Wochenende, an dem es passieren sollte. Hinzu kam, dass wir einen ordentlichen Sonnenauf- bzw. Untergang brauchten. Also: verschieben. Und auch an dem zweiten Wochenende waren die Prognosen zweifelhaft, sodass das Projekt wieder auf der Kippe stand. Dieses Mal entschieden wir uns aber dafür, es zu probieren. Pissi kümmerte sich um das Bier samt Kühlwaagen und das benötigte Stromaggregat. Wir trafen uns am Vormittag am Proberaum, luden die nötigen „Klotten“ ein und begannen mit dem Dreh am Peckelsheimer EDEKA. Und was passierte? Natürlich: leichter Regen, Bewölkung. Mit den Erfahrungen der vergangenen Tage blieben wir aber optimistisch und langsam verlagerte sich der Dreh über die Feldwege in Richtung Hüssenberg, wo gleich zwei Torbens schon vor Ort waren, um auf die massiven Biervorräte aufzupassen. Seltener wurden zwei bessere Böcke zu Gärtnern gemacht. 

Trotz einer Rahmenhandlung gab es auch einige Improvisation, was wirklich Spaß machte. Wie stellt man eine authentische Bremsspur dar? Wo ist der Hüssenberg überhaupt? Und wieso ging es Ötti, der ein Makin-of drehen wollte, plötzlich so schlecht? Ok, Letzteres machte keinen Spaß, aber ansonsten lief es echt rund. Das lag wohl auch an meinem Regie-Megaphon, das neben meinen Anweisungen, auf die eh keiner hörte, auch authentische Sprüche von Psycho-Andreas gespeichert hatte. 

“PARTYBORING – And always Party hard!”

Am Berg angekommen besserte sich das Wetter und die Sonne kam heraus. Perfekt. Nach und nach trudelten auch die Berufsjugendlichen ein, die ihre Adressen in die Listen eintrugen und somit ihre Seelen an uns verkauften. Die Belohnung: Freigetränke und Pizza. Was sich nach wenig anhört, belastete unsere Bandkasse merklich, aber es lohnte sich: Zunächst war die Stimmung verhalten, wenn „Action“ gerufen wurde, einige Ziegen schauten sich das Schauspiel vom Berg aus an. Doch mit jedem Schluck des Warburger Biers (die Brauerei hatte meinen per E-Mail eingereichten Vorschlag, unser Video durch Bierspenden zu unterstützen, sträflich ignoriert – wir belohnten das auch noch durch den eigenmächtigen Kauf des regionalen Premiumprodukts) wurde die Stimmung gelöster und irgendwann sah es auch auf den Bildern nach was aus. Bald waren die notwendigen Crowd-Szenen im Kasten und wir widmeten uns den Details. 

Die Darsteller widmeten sich dagegen auch weiterhin dem Bier, von dem auch noch mal nachgeordert wurde. Das Wetter wurde zum Abend hin immer besser, sodass wir genügend stimmungsvolles Material hatten, das unsere Börde in den schönsten Farben zeigte. Übrigens: Fake-Kotze kann man einfach mit Cola und zerkauten Chips im Mund zusammenmischen. Leons traurige Blicke aber nicht – die muss man einfach spüren. 

Am Ende waren sich alle einig, dass es ein wunderschöner Tag war, „einer der schönsten des Jahres“, wie einer der Torbens befand. Auch das Produkt kann sich sehen lassen, nicht zuletzt, weil Noah schon beim Filmen wusste, wie das Ganze am Ende aussehen soll. 

Partyboring – and always party hard! 

(Oder hieß es “Parylibori”?)

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Partyboring

Das fertige Video gibt es seit dem 05.02.2021 in ganzer Länge auf YouTube zu sehen.